Fokus

In meiner Arbeit geht es um die Auflösung von Polaritäten, um das Changieren zwischen Genießen und Begehren, Stärke und Fragilität, Anziehung und Ekel. Es geht mir um die Einschreibungen gesellschaftlicher Bedingungen in den Körper, Zuschreibungen und um die Darstellung von inneren Zuständen und Wahrnehmungen. Dabei spielt die Auseinandersetzung mit der ikonographischen Darstellung von mythologischen und historischen Frauengestalten, wie Penelope, Lucretia oder Artemisia, die bis heute weiter in bezug auf Geschlechterstereotypien wirksam sind, eine immer wiederkehrende Rolle.

Mich interessiert, wovon wir eigentlich sprechen, wenn wir „Natur“ sagen, die ja selbst, genau wie wir, soziales Konstrukt ist und gleichzeitig einfach da. Mich interessieren die realen Auswirkungen unserer Vorstellungen von dieser Natur, wo auch der Bereich der Verantwortung im Umgang mit dem Planeten und uns selbst ins Spiel kommt. Mich interessiert auf welche Weisen unsere Perspektiven das Reale erzeugt, das Spannungsfeld  zwischen  Wert und Verwertbarkeit. Mich interessieren die Spuren die wir hinterlassen, unser Umgang mit den anderen Tieren und letztlich mit uns selbst als Einzelwesen und als Gesellschaft und die daraus resultierende Notwendigkeit, diese Perspektiven immer wieder zu wechseln.

Ich verstehe den Menschen als offenes, poröses, sich selbst immer wieder in-Frage-stellendes  Lebewesen, wir sind flüssig und im Wandel begriffen, müssen uns immer wieder neu verorten, neu erfinden. Dabei nimmt die Fotografie in meiner Arbeit eine zentrale Stellung ein, oft in Auseinandersetzung mit  Materialien wie Ton und Porzellan, Metallen, Textilien, Pflanzenteilen, Fell oder Haar, Wachs oder Seife. Ich verwende sie als Metaphern dafür, wie es sich anfühlt ein solch poröses Lebewesen zu sein, aber auch einfach aus Faszination am Material selbst.

Manchmal geht es auch einfach um den Sound eines Moments, um Lebendigkeit und Fragilität, festgehalten in einem Bild, das starr ist aber dabei niemals zur Ruhe kommt.